Strompreis 2026: 37 Cent im Schnitt, 43 in der Grundversorgung – Zusammensetzung, Verbrauch, Anbieterwechsel

Rund 600 € im Jahr liegen zwischen Grundversorgung und Neukundentarif – bei identischem Strom. Woraus der Preis besteht und wie der Wechsel in 15 Minuten läuft.

Strom kostet Haushalte 2026 im Schnitt rund 37 Cent je Kilowattstunde – etwas weniger als 2025, weil der Bund die Übertragungsnetzentgelte mit 6,5 Milliarden Euro bezuschusst. Der Durchschnitt verdeckt aber die Spanne, die zählt: In der Grundversorgung zahlt man rund 43 Cent, als Bestandskunde 31, als Neukunde bei günstigen Anbietern 24 bis 28 Cent. Für einen Haushalt mit 3.500 kWh sind das bis zu 600 € Unterschied im Jahr. Dieser Beitrag erklärt, woraus der Strompreis besteht, was 2026 gestiegen und gefallen ist, wie viel typische Haushalte verbrauchen, wie der Anbieterwechsel in 15 Minuten läuft, welche Tarife man meiden sollte, was Smart Meter und dynamische Tarife bringen – und die zehn Verbraucher, die die Rechnung treiben.

Woraus 37 Cent bestehen

Bestandteil (2026, Durchschnitt) ct/kWh Anteil Entwicklung 2026
Beschaffung, Vertrieb, Marge ≈ 14 – 16 ≈ 40 % Börsenstrom 2025: 8,65 ct – nach Energiekrise gefallen, seit dem Frühjahr 2026 wieder fester
Netzentgelte (Übertragung + Verteilung) und Messung ≈ 9 – 11 ≈ 27 % durch Bundeszuschuss um knapp 2 ct gesunken – regional sehr unterschiedlich
Stromsteuer 2,05 6 % unverändert (Senkung nur für Industrie)
Umlagen (KWKG 0,446, Offshore 0,941, § 19 1,559) + Konzessionsabgabe (bis 2,39) ≈ 4 – 5 ≈ 12 % Umlagen + 4,6 %
Mehrwertsteuer 19 % ≈ 5,9 16 % auf alle anderen Bestandteile

Rund die Hälfte des Preises ist staatlich oder reguliert und für alle Anbieter gleich; der Wettbewerb spielt sich in den ersten 15 Cent ab – und im Grundpreis (5 bis 15 € im Monat), der bei kleinen Verbräuchen mehr ausmacht als ein Cent je kWh.

„Die Übertragungsnetzentgelte werden im Jahr 2026 in Höhe von 6,5 Milliarden Euro bezuschusst. […] Die Bundesnetzagentur hat ausgewertet, dass bei den 15 einwohnerstärksten Netzbetreibern die Netzentgelte für Haushaltskunden um durchschnittlich knapp 2 ct/kWh sinken.“

Bundesnetzagentur, Verbraucherportal Energie, 2026

Was Haushalte verbrauchen – und zahlen

Haushalt Verbrauch/Jahr Grundversorgung (43 ct) Bestandskunde (31 ct) Neukunde (26 ct) Ersparnis GV → Neukunde
1 Person, Wohnung 1.500 kWh 765 € 585 € 510 € 255 €
2 Personen 2.500 kWh 1.195 € 895 € 770 € 425 €
Familie, 4 Personen 3.500 kWh 1.625 € 1.205 € 1.030 € 595 €
Haus mit Wärmepumpe 8.000 kWh (davon 4.500 WP) 3.560 € 2.600 € 2.020 € (WP-Tarif ≈ 22 ct) 1.540 €
Haus mit E-Auto (15.000 km) 6.000 kWh 2.700 € 1.980 € 1.680 € 1.020 €

Inklusive Grundpreis von rund 120 € im Jahr. Wer seit Jahren beim Grundversorger ist, ohne je gewechselt zu haben – rund ein Viertel der Haushalte –, zahlt den höchsten Preis am Markt.

Stromkosten 2026 Familie 3.500 kWh: Grundversorgung 1.625 Euro, Bestandskunde 1.205 Euro, Neukunde 1.030 Euro – Ersparnis bis 595 Euro im Jahr; Strompreis Durchschnitt 37 Cent je Kilowattstunde
Rund 600 € im Jahr zwischen Grundversorgung und günstigem Tarif – bei identischem Strom aus derselben Leitung.

Anbieterwechsel in 15 Minuten

  1. Letzte Jahresabrechnung heraussuchen: Verbrauch in kWh, Zählernummer, aktueller Arbeits- und Grundpreis, Vertragslaufzeit und Kündigungsfrist.
  2. Vergleichsportal mit Filter: 12 Monate Preisgarantie, 12 Monate Laufzeit, kein Bonus im Sortierpreis, monatliche Abschlagszahlung (keine Vorkasse), Kündigungsfrist 1 Monat. Zwei Portale vergleichen – die Voreinstellungen unterscheiden sich.
  3. Abschluss online; der neue Anbieter kündigt beim alten. Seit 2022 muss der Wechsel technisch binnen 24 Stunden (Werktag) erfolgen; die Frist des Altvertrags bleibt.
  4. Zählerstand am Wechseltag fotografieren und beiden Anbietern melden.
  5. Kalendereintrag elf Monate später: Preisgarantie läuft aus, Neukundenpreis wird zum Bestandspreis – erneut vergleichen.

Aus der Grundversorgung kann man jederzeit mit zwei Wochen Frist wechseln. Bei einer Preiserhöhung des laufenden Vertrags besteht ein Sonderkündigungsrecht zum Zeitpunkt des Wirksamwerdens – auch bei Erhöhungen, die der Anbieter mit gestiegenen Umlagen begründet. Vorsicht bei „Pakettarifen“ mit fester kWh-Menge, Vorkassetarifen und Anbietern ohne Preisgarantie: 2022 haben mehrere Discounter Kunden in die teure Ersatzversorgung entlassen.

Smart Meter und dynamische Tarife

Seit 2025 müssen Haushalte über 6.000 kWh und mit Wärmepumpe, Wallbox oder PV-Anlage ein intelligentes Messsystem bekommen; alle anderen können es für höchstens 30 € im Jahr beantragen (Netzbetreiber muss binnen vier Monaten liefern). Damit lassen sich dynamische Tarife nutzen, die den Börsenpreis stündlich weitergeben – 2026 liegt der Börsenpreis zwischen 0 ct (Mittag im Sommer) und 25 ct (Winterabend). Wer Wallbox, Wärmepumpe oder Waschmaschine in günstige Stunden schiebt, spart 15 bis 30 %; wer den Verbrauch nicht verschieben kann, zahlt im Schnitt ähnlich wie im Festpreistarif, ohne Preissicherheit. Seit 2025 gibt es außerdem die reduzierten Netzentgelte nach § 14a EnWG für steuerbare Verbraucher (Wärmepumpe, Wallbox): pauschal 110 bis 190 € Netzentgeltrabatt im Jahr oder 60 % Rabatt auf den Arbeitspreis des Netzentgelts – gegen das Recht des Netzbetreibers, in Engpässen auf 4,2 kW zu dimmen. Wie das E-Auto die Stromrechnung verändert, rechnet der Beitrag E-Auto oder Verbrenner 2026 vor.

Strompreis 2026 Zusammensetzung 37 Cent: Beschaffung und Vertrieb 40 Prozent, Netzentgelte 27 Prozent, Mehrwertsteuer 16 Prozent, Umlagen und Konzessionsabgabe 12 Prozent, Stromsteuer 6 Prozent – Netzentgelte durch 6,5 Milliarden Bundeszuschuss um 2 Cent gesenkt
Die Hälfte des Preises ist Staat und Netz – der Wettbewerb entscheidet über die andere.

Die zehn Verbraucher, die die Rechnung treiben

Gerät kWh/Jahr (typisch) Kosten bei 37 ct Sparhebel
Elektro-Durchlauferhitzer / Boiler 800 – 1.500 300 – 550 € Sparduschkopf, kürzer duschen, Boiler nachts aus
Kühl-/Gefrierkombination (alt, Klasse F/G) 350 – 500 130 – 185 € Neugerät Klasse C/D: 150 kWh – Amortisation 4 Jahre
Trockner 250 – 400 90 – 150 € Wärmepumpentrockner halbiert, Wäscheleine null
Herd, Backofen 250 – 350 90 – 130 € Umluft, Deckel, Restwärme
Waschmaschine 150 – 250 55 – 90 € 30 statt 60 °C spart 60 % je Ladung
Fernseher (groß) + Receiver 150 – 250 55 – 90 € Helligkeit, Standby-Steckdose
Spülmaschine 150 – 200 55 – 75 € Eco-Programm, voll beladen
Beleuchtung (Rest-Halogen) 100 – 200 35 – 75 € LED: −80 %
Router, Standby-Geräte 100 – 200 35 – 75 € Router-Nachtabschaltung, Steckerleisten
Gaming-PC, Homeoffice 100 – 400 35 – 150 € Energiesparmodus, Monitor aus

Der Durchlauferhitzer ist der Klassiker: Wer Warmwasser elektrisch bereitet, hat 30 bis 40 % höhere Stromkosten als ein Haushalt mit zentraler Warmwasserbereitung – hier ist ein Wechsel in einen günstigen Tarif doppelt wichtig. Was die Heizung kostet, steht im Beitrag Heizkosten 2026; wie sich Strom, Heizung und Nebenkosten im Budget einordnen, im Beitrag Haushaltsbudget 2026. Und für Mieter: Strom ist keine Nebenkostenposition – der eigene Vertrag ist Ihre Sache, wie der Ratgeber Nebenkostenabrechnung prüfen zeigt.

Kurz gesagt

37 ct im Schnitt, 43 in der Grundversorgung, 24 bis 28 als Neukunde – der Wechsel bringt einer Familie rund 600 € im Jahr und dauert 15 Minuten. Preisgarantie 12 Monate, kein Bonus, keine Vorkasse. Wärmepumpe und E-Auto: eigener Tarif oder § 14a-Rabatt plus Smart Meter. Und der Durchlauferhitzer ist meist der größte Posten der Rechnung.

Andreas Wolter
Andreas Wolter

Schreibt auf Nettoradar über Haushalt & Kosten – mit den amtlichen Werten des Jahres und nachrechenbaren Beispielen.

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