Versicherungs-Check 2026: Welche Versicherungen man braucht – vier Stufen mit Preisen, Beispielbudget und Jahres-Check

Existenzrisiken versichern, Ärgernisse selbst tragen: Was eine Familie 2026 für 272 € im Monat wirklich braucht – und welche Policen man kündigen kann.

Deutsche Haushalte geben im Schnitt rund 2.500 bis 3.000 € im Jahr für Versicherungen aus – ohne Kranken- und Rentenversicherung – und ein gutes Drittel davon für Policen, die sie nicht brauchen. Umgekehrt fehlt in jedem zweiten Haushalt die eine Versicherung, die den Ruin verhindert: die Berufsunfähigkeitsversicherung, oder beim Eigentümer die Elementardeckung. Dieser Beitrag sortiert Versicherungen 2026 in vier Stufen – unverzichtbar, meist sinnvoll, situationsabhängig, überflüssig –, nennt realistische Preise, die Fallen im Kleingedruckten, die Fristen zur Kündigung und den jährlichen Check, mit dem ein Haushalt 300 bis 800 € spart, ohne ein Risiko zu übernehmen, das er nicht tragen kann.

Die Regel: Existenz versichern, Ärger selbst tragen

Eine Versicherung lohnt, wenn der Schaden das Vermögen übersteigt, das man aufbringen könnte – ein Haftpflichtschaden von zwei Millionen, ein abgebranntes Haus, ein Einkommen, das mit 40 wegfällt. Sie lohnt nicht, wenn der Schaden ärgerlich, aber tragbar ist – ein kaputtes Handy, verlorenes Gepäck, eine Brille. Dazwischen liegen Policen, deren Nutzen von Lebenslage und Vermögen abhängt. Die Faustregel: Je höher die maximale Schadenhöhe und je niedriger die Wahrscheinlichkeit, desto eher versichern.

„Der Versicherer ist verpflichtet, den Versicherungsnehmer […] auf einen bestehenden Anpassungsbedarf hinzuweisen. […] Der Versicherungsnehmer kann […] jederzeit verlangen, dass sein Vertrag den geänderten Umständen angepasst wird.“

sinngemäß aus der Beratungspflicht nach § 6 VVG – ein Recht, das kaum jemand nutzt

Stufe 1: Unverzichtbar

Versicherung Für wen Kosten 2026 (gute Tarife) Worauf achten
Privathaftpflicht jeder Erwachsene (Familie eine Police, Kinder mit) 50 – 120 € / Jahr Deckung ≥ 10 Mio. €, Forderungsausfall, Schlüsselverlust, Gefälligkeitsschäden, deliktunfähige Kinder
Berufsunfähigkeit (BU) alle, die vom Arbeitseinkommen leben – so früh wie möglich Bürojob, 30 Jahre, 1.500 € Rente: 40 – 80 € / Monat; Handwerk 100 – 200 € Rente ≥ 60 % netto, bis 67, Verzicht auf abstrakte Verweisung, Nachversicherungsgarantie, Gesundheitsfragen korrekt beantworten (anonyme Voranfrage)
Kfz-Haftpflicht jeder Halter (Pflicht) 250 – 600 € / Jahr Deckung 100 Mio. €, Mallorca-Police, jährlich vergleichen (Stichtag 30.11.)
Wohngebäude inkl. Elementar Eigentümer 400 – 900 € + 150 – 500 € Elementar (ZÜRS-Zone) gleitender Neuwert, grobe Fahrlässigkeit mitversichert, Elementar ab Zone 3 teuer, aber Pflicht-Diskussion läuft
Krankenversicherung Pflicht – gesetzlich oder privat siehe Zusatzbeitrag 2026 Kassenwechsel bei Zusatzbeitrag über 3 %

Stufe 2: Meist sinnvoll

  • Hausrat (80 – 250 € / Jahr): ab etwa 20.000 € Hausratwert; Versicherungssumme 650 € je m² als Faustregel, Fahrraddiebstahl und grobe Fahrlässigkeit einschließen, Unterversicherungsverzicht.
  • Risikolebensversicherung (150 – 400 € / Jahr für 300.000 €, Nichtraucher 35): wenn Kinder, Partner oder ein Kredit vom Einkommen abhängen; Laufzeit bis Kinder ausgebildet oder Kredit getilgt. Über Kreuz versichern (jeder Partner versichert den anderen) spart Erbschaftsteuer.
  • Auslandsreisekranken (10 – 30 € / Jahr): Rücktransport ist in der GKV nicht gedeckt – für jeden, der die EU verlässt oder in der EU privat behandelt werden könnte.
  • Rechtsschutz (250 – 400 € / Jahr): sinnvoll bei Konfliktrisiko – Arbeitsrecht für Angestellte (Kündigungsschutzklage kostet 2.000 bis 5.000 €), Mietrecht, Verkehr; Wartezeit 3 Monate, Selbstbeteiligung 150 – 300 € senkt den Beitrag.
  • Vollkasko (400 – 1.200 € / Jahr): bei Fahrzeugen über ca. 8.000 € Restwert und finanzierten Autos; darunter Teilkasko (150 – 400 €); Werkstattbindung und 300 / 150 € Selbstbeteiligung.
Versicherungen in vier Stufen 2026: unverzichtbar Privathaftpflicht, Berufsunfähigkeit, Kfz-Haftpflicht, Wohngebäude mit Elementar; meist sinnvoll Hausrat, Risikoleben, Auslandsreise, Rechtsschutz, Vollkasko; situationsabhängig Zahnzusatz, Unfall, Tierhalter, Pflegezusatz; überflüssig Handy, Glas, Reisegepäck, Kapitalleben, Sterbegeld, Insassenunfall
Vier Stufen – Existenzrisiken oben, Ärgernisse unten.

Stufe 3: Situationsabhängig

Versicherung Sinnvoll wenn … Kosten
Zahnzusatz schlechte Zähne, Kronen/Implantate absehbar – vor der Diagnose abschließen 15 – 40 € / Monat
Tierhalterhaftpflicht Hund (in vielen Ländern Pflicht), Pferd – nicht Katze (Privathaftpflicht) 50 – 120 € / Jahr
Unfallversicherung nur, wenn BU nicht möglich (Gesundheit) – Freizeitunfälle sind 3 % der Invaliditätsfälle 100 – 300 € / Jahr
Pflegezusatz (Pflegetagegeld) ab 45 – 55, wenn Vermögen geschützt werden soll; Pflegeheim kostet 2026 3.000 € Eigenanteil im Monat 30 – 80 € / Monat
Dread-Disease, Grundfähigkeit Ersatz für BU bei riskanten Berufen oder Vorerkrankungen 30 – 100 € / Monat
Krankentagegeld Selbstständige (kein Krankengeld) und Angestellte mit Gehalt über 5.812,50 € (Krankengeld gedeckelt) 30 – 100 € / Monat
Dienstunfähigkeit Beamte – DU-Klausel in der BU im BU-Tarif

Die Lücke beim Krankengeld für Gutverdiener übersehen viele: Bei 7.000 € brutto ersetzt das Krankengeld nach sechs Wochen nur rund 3.600 € netto (Höchstbetrag 135,63 € je Tag) – die Rechnung steht im Beitrag Krankengeld 2026.

Stufe 4: Überflüssig – oder zu teuer

  • Handy-, Brillen-, Glasbruch-, Reisegepäckversicherung: Schaden tragbar, Beitrag im Verhältnis hoch, viele Ausschlüsse.
  • Kapitallebens- und Rentenversicherung als Sparvertrag: Kosten 2 bis 3 % jährlich – der Beitrag Zinseszins und Sparplan zeigt, was das über 30 Jahre bedeutet. Risikoschutz und Sparen trennen.
  • Sterbegeld: Beiträge übersteigen oft die Leistung; ein Tagesgeldkonto erfüllt den Zweck.
  • Insassenunfall, Ausbildungsversicherung, Restschuldversicherung zum Ratenkredit: teuer, doppelt (Haftpflicht deckt Insassen), Restschuld kostet 10 – 20 % der Kreditsumme – siehe Kreditrate berechnen.
  • Garantieverlängerungen im Handel: 10 – 20 % des Kaufpreises für ein Risiko von 3 – 5 %.
Versicherungskosten Familie 2026 Beispiel: Privathaftpflicht 80 Euro, BU zwei Personen 1.500 Euro, Kfz-Haftpflicht plus Vollkasko 900 Euro, Hausrat 150 Euro, Risikoleben 300 Euro, Auslandsreise 30 Euro, Rechtsschutz 300 Euro – zusammen rund 3.260 Euro im Jahr, Sparpotenzial 300 bis 800 Euro
Rund 270 € im Monat für alles, was wirklich zählt – und keine Handyversicherung.

Beispiel: Familie, zwei Einkommen, Mietwohnung, ein Auto

Police Jahresbeitrag (guter Tarif)
Privathaftpflicht (Familie) 80 €
Berufsunfähigkeit, 2 Personen (1.500 € / 1.200 € Rente) 1.500 €
Kfz-Haftpflicht + Vollkasko (Kompaktwagen, SF 10) 900 €
Hausrat (80 m², 50.000 €) 150 €
Risikoleben über Kreuz, 2 × 250.000 € 300 €
Auslandsreisekranken (Familie) 30 €
Rechtsschutz (Privat, Beruf, Verkehr) 300 €
Summe 3.260 € (272 € / Monat)

Das Auto ist auch hier der zweitgrößte Posten – die Vollkosten dazu im Beitrag Autokosten pro Monat. Wer Eigentümer ist, ersetzt einen Teil der Hausrat durch Wohngebäude + Elementar (800 – 1.400 €).

Der jährliche Check

  1. Bestand listen: alle Policen, Beitrag, Kündigungsfrist, Laufzeitende – 30 Minuten.
  2. Stufe 4 kündigen: Kündigungsfrist meist 3 Monate zum Ablauf; nach Beitragserhöhung oder Schadenfall Sonderkündigungsrecht (1 Monat).
  3. Kfz vergleichen: bis 30. November, Wechsel bringt im Schnitt 200 – 400 €.
  4. Haftpflicht und Hausrat: alte Verträge (über 10 Jahre) haben oft schlechtere Bedingungen bei höherem Beitrag – Wechsel jederzeit zum Ablauf.
  5. BU prüfen: Rente an Nettoeinkommen anpassen (Nachversicherung bei Heirat, Kind, Gehaltssprung ohne neue Gesundheitsprüfung); nie kündigen, um „günstiger“ neu abzuschließen – Alter und Gesundheit machen den neuen Vertrag teurer.
  6. Elementar prüfen: Eigentümer ohne Elementardeckung sind 2026 in jeder zweiten Region unversichert gegen Starkregen – der häufigste Großschaden der letzten Jahre.

Beiträge zu Haftpflicht, Kfz-Haftpflicht, BU, Risikoleben und Unfall sind als sonstige Vorsorgeaufwendungen absetzbar – bei den meisten Arbeitnehmern ist der Höchstbetrag (1.900 €) allerdings durch Kranken- und Pflegebeiträge bereits ausgeschöpft; Details im Beitrag Steuererklärung 2026.

Andreas Wolter
Andreas Wolter

Schreibt auf Nettoradar über Haushalt & Kosten – mit den amtlichen Werten des Jahres und nachrechenbaren Beispielen.

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