Ein Auto kostet nicht den Sprit, sondern das Doppelte bis Dreifache davon: Ein neuer Kompaktwagen schlägt 2026 mit rund 650 € im Monat zu Buche, ein Kleinwagen mit 500, ein SUV mit über 900 – bei 15.000 Kilometern im Jahr und Spritpreisen, die im September 2026 mit 2,18 € (E10) und 2,23 € (Diesel) auf Rekordniveau liegen. Der größte Posten ist nicht der Kraftstoff, sondern der Wertverlust. Dieser Ratgeber zerlegt die Vollkosten in ihre sechs Bestandteile, rechnet vier typische Fahrzeuge durch, zeigt den Kilometerpreis und die Grenze, ab der Bahn, Carsharing oder Zweitwagen billiger sind, und erklärt, welche Kosten man beeinflussen kann – und welche nicht.
Die sechs Kostenblöcke
- Wertverlust – 35 bis 45 % der Vollkosten: Ein Neuwagen verliert im ersten Jahr rund 20 bis 25 %, danach 8 bis 12 % jährlich; nach sechs Jahren sind 55 bis 65 % weg. Beim Gebrauchten ab fünf Jahren flacht die Kurve ab.
- Kraftstoff oder Strom – 25 bis 35 %: Verbrauch × Kilometer × Preis; die Formel steht im Beitrag Spritkosten berechnen.
- Versicherung – 10 bis 15 %: Haftpflicht Pflicht (250 bis 600 €), Teilkasko (150 bis 400 €), Vollkasko (400 bis 1.200 €); Regionalklasse, Typklasse, Schadenfreiheitsklasse und Fahrerkreis bestimmen den Preis.
- Werkstatt, Reifen, Verschleiß – 10 bis 15 %: Inspektion 300 bis 600 € im Jahr, Reifensatz alle 40.000 km (600 bis 1.200 €), Bremsen, Batterie, Wischer.
- Kfz-Steuer – 1 bis 4 %: nach Hubraum und CO₂, Elektro bis 2035 frei – der Kfz-Steuer-Rechner nennt den Betrag für Ihren Fahrzeugschein.
- Sonstiges – 3 bis 6 %: TÜV/HU (alle 2 Jahre ≈ 150 €), Parken, Wagenwäsche, Vignetten, ADAC, Stellplatz (in Städten 50 bis 150 € im Monat – oft der vergessene Posten).
„Für Verkehr gaben private Haushalte im Durchschnitt rund 14 Prozent ihrer Konsumausgaben aus – nach Wohnen, Energie und Wohnungsinstandhaltung der zweitgrößte Posten.“
Statistisches Bundesamt, Laufende Wirtschaftsrechnungen (sinngemäß)
Vier Fahrzeuge, ein Jahr (15.000 km, September 2026)
| Kosten im Monat | Kleinwagen neu (25.000 €, 5,5 l E10) | Kompakt neu (35.000 €, 6,5 l E10) | SUV Diesel neu (55.000 €, 7,0 l) | Kompakt gebraucht (8.000 €, 10 J., 7,0 l E10) |
|---|---|---|---|---|
| Wertverlust | 210 € | 290 € | 460 € | 65 € |
| Kraftstoff | 150 € | 175 € | 195 € | 190 € |
| Versicherung | 50 € (HP + TK) | 75 € (VK) | 110 € (VK) | 40 € (HP + TK) |
| Werkstatt, Reifen | 50 € | 75 € | 100 € | 100 € |
| Kfz-Steuer | 5 € | 10 € | 25 € | 12 € |
| Sonstiges (ohne Stellplatz) | 20 € | 30 € | 40 € | 25 € |
| Summe im Monat | ≈ 485 € | ≈ 655 € | ≈ 930 € | ≈ 430 € |
| je Kilometer | ≈ 39 ct | ≈ 52 ct | ≈ 74 ct | ≈ 34 ct |
| im Jahr | 5.820 € | 7.860 € | 11.160 € | 5.160 € |
Wertverlust linear über 6 Jahre (neu) bzw. 10 % vom Restwert (gebraucht); Kraftstoff mit 2,18 € (E10) und 2,23 € (Diesel) vom September 2026. Der Gebrauchte ist trotz höherem Verbrauch und höherer Werkstattkosten am günstigsten – weil der Wertverlust fehlt. Und: Ein Kompaktwagen kostet im Jahr rund 7.900 € nach Steuern; bei 30 % Grenzsteuersatz muss man dafür rund 11.000 € brutto verdienen – der Brutto-Netto-Rechner zeigt, welcher Anteil des Gehalts im Auto steckt.

Fixkosten und Kilometerkosten trennen
Von den 655 € des Kompaktwagens sind rund 400 € fix (Wertverlust überwiegend, Versicherung, Steuer, HU, Stellplatz) und rund 255 € variabel (Kraftstoff, Verschleiß, ein Teil des Wertverlusts). Das erklärt zwei Effekte: Wer statt 15.000 nur 8.000 km fährt, spart nicht die Hälfte, sondern ein Viertel – der Kilometerpreis steigt auf rund 77 ct. Und wer 25.000 km fährt, kommt auf rund 38 ct je Kilometer. Für die Entscheidung „Auto oder nicht“ zählen die Fixkosten; für „fahren oder Bahn“ nur die variablen – bei 17 ct variablen Kosten je Kilometer ist die Bahnfahrt zu zweit selten billiger, allein oft.
Ab wann Carsharing oder Verzicht billiger ist
| Jahresfahrleistung | Eigener Kompaktwagen (Vollkosten) | Carsharing (≈ 0,35 €/km + Zeit) | Bahn/ÖPNV + gelegentlicher Mietwagen |
|---|---|---|---|
| 3.000 km (Wochenendfahrten) | ≈ 5.300 € (1,77 €/km) | ≈ 1.500 € | Deutschlandticket 63 € × 12 = 756 € + 800 € Mietwagen |
| 8.000 km | ≈ 6.200 € | ≈ 3.800 € | ≈ 2.500 € |
| 12.000 km | ≈ 7.000 € | ≈ 5.500 € | ≈ 3.500 € (mit Bahn-Fernverkehr) |
| 15.000 km (Pendler) | ≈ 7.900 € | ≈ 7.000 € – unpraktisch | ≈ 4.000 €, wenn Bahn tauglich |
| 25.000 km | ≈ 9.500 € (0,38 €/km) | – | – |
Unter 8.000 km im Jahr ist der eigene Wagen in der Stadt fast immer die teuerste Lösung; über 15.000 km meist die einzige praktikable. Dazwischen entscheidet die Alternative vor der Haustür. Für Pendler zählt die Entfernungspauschale (0,38 € je km, siehe Pendlerpauschale 2026) – sie erstattet über die Steuer 10 bis 15 ct je gefahrenen Kilometer, nicht die Kosten.

Was man beeinflussen kann
- Kaufpreis und Alter: Der Wertverlust eines 3-jährigen Gebrauchten ist halb so hoch wie der eines Neuwagens – bei fast gleicher Zuverlässigkeit. Jeder gesparte Euro Kaufpreis spart über sechs Jahre 60 bis 65 Cent Wertverlust.
- Versicherung: jährlich vergleichen (Stichtag 30. November), Fahrerkreis eng, Werkstattbindung, Telematik für junge Fahrer, Vollkasko bei Fahrzeugen unter 8.000 € Restwert abwählen – 200 bis 500 € im Jahr. Was welche Police leistet, ordnet der Beitrag Versicherungs-Check 2026 ein.
- Verbrauch: Fahrweise (−10 bis −20 %), Reifendruck, Ballast, Dachbox – siehe Spritkosten-Beitrag.
- Werkstatt: freie Werkstatt nach Garantieende (−30 bis −40 % gegenüber Vertragswerkstatt), Reifen online kaufen und montieren lassen, Ganzjahresreifen bei wenig Fahrleistung.
- Antrieb: Ein E-Auto hat höheren Wertverlust und niedrigere Energie- und Wartungskosten – ab welcher Fahrleistung es gewinnt, rechnet der Beitrag E-Auto oder Verbrenner 2026 vor.
Nicht beeinflussbar: Kfz-Steuer (außer durch Fahrzeugwahl), Spritpreis, Regionalklasse. Das Auto ist nach dem Wohnen der zweitgrößte Posten im Haushaltsbudget – rund 14 % der Konsumausgaben; wo es im Gesamtbild steht, zeigt der Beitrag Haushaltsbudget 2026.
Kurz gesagt
Kleinwagen ≈ 485 €, Kompakt ≈ 655 €, SUV ≈ 930 € im Monat bei 15.000 km – der Wertverlust ist größer als der Sprit. 400 € Fixkosten fallen auch bei null Kilometern an; unter 8.000 km ist Carsharing billiger, über 15.000 gewinnt der eigene Wagen. Der günstigste Wagen ist ein gepflegter Gebrauchter mit Haftpflicht und Teilkasko.
